spätsommer und herbst 2001 - wir lernen uns kennen

eine aufregende zeit beginnt. wir beginnen, den alltag als pferdebesitzer zu meistern. die vorstellung: "man kauft sich halt ein pferd, stellt es im pensionsstall unter und reitet dann ein bisschen", erweist sich bald als irrtum. über unzählige dinge kann und muss man sich gedanken machen:
wird es richtig gefüttert? wird es zu dünn oder platzt es vor energie wegen zu viel kraftfutter? fühlt es sich wohl? wann muss der schmied kommen? können die beiden barhuf gehen oder brauchen sie doch irgendwann beschlag? undsoweiterundsoweiter.
plötzlich sind wir für lebewesen verantwortlich - mit allen konsequenzen. erste tierarzt-besuche werden nötig - einmal wegen einer krampfkolik und ein zweites mal wegen einer leichten verletzung am bein bei gina. nazdar hat plötzlich ein geschwollenes auge und muss behandelt werden. ganz schön kompliziert, einem pferd, das das auge immer zukneift, 3mal täglich augensalbe zu applizieren ...
trotzdem haben wir viel spaß mit den beiden, sie scheinen sich gut einzugewöhnen und verstehen sich mit uns und einander.

erste flugstunden

im september habe ich meine ersten beiden freiflüge von gina, einmal auf dem reitplatz, als sie vor einem anderen buckelnden pferd erschrickt, und einmal im gelände: da ist ein schwarzer fleck mitten im grünen gras! unerhört! dass mein pferd plötzlich zwei meter links von mir steht, merke ich erst, als ich auf dem boden sitze. nun ja, es ist nichts weiter passiert, und ich muss wohl an meinem knieschluss und an ginas nervenkostüm arbeiten. meine güte, ist das tier wendig!

herbst(wetter)

der herbst beginnt mit macht - die tage werden kürzer, der boden tiefer und das wetter schlechter. trotzdem schaffen wir an den vereinzelten schönen tagen unsere ersten mehrstündigen ausritte. wir haben viel spass daran, die gegend zu erkunden und sind zufrieden mit der standortwahl - das reitgelände im leipziger westen ist traumhaft: wald mit reitwegen, wiesen, flussauen, so weit das auge reicht. wir verlangen unseren pferden mutproben wie z.b. das unterqueren der grässlich lauten autobahn oder das überqueren schmaler, hölzern klappernder flussbrücken ab. alles klappt prima. nazdar ist ohnehin routiniert und geht überall durch, und in seiner begleitung fühlt sich gina sichtlich wohl.

der putzaufwand wird zunehmend höher. die beiden kriegen winterfell und freuen sich über die schlammlöcher auf der koppel, in denen sie sich täglich genüsslich wälzen - getreu dem motto: "nachher kommt ja wieder der depp, der es mir abkratzt".
gina bekommt außerdem eine neue freundin: noch eine annette (aber eine mit viel mehr reiterfahrung ...) reitet sie jetzt mit. das ist toll, denn so bekommt mein pferd noch weitere ausbildung und ist jetzt fast jeden tag entweder auf dem dressurplatz oder im gelände unterwegs.

herbstjagd

ende oktober ist große herbstjagd angesagt. da ich kein fan von scharfen ritten in großen gruppen bin (und von gina das gleiche annehme), fahre ich lieber auf dem planwagen mit. mein liebster ist wagemutig und stürzt sich mit nazdar ins getümmel. zuerst geht auch alles gut, aber als auf einer wiese im kreis galoppiert wird, weiss nazdar nicht mehr, was vorne und hinten ist. da er aber immer vorne sein will, wird es kompliziert. und anstrengend für hagen. nach der verpflegungspause schöpfen beide neue kraft, aber ein wirkliches vergnügen ist die tour nicht mehr. es ist bis heute ungeklärt, wer von beiden am nächsten tag schlimmeren muskelkater hatte.

 

nach dem ritt erstmal genüsslich das kreuz aushängen

 

gina mit ihrer zweiten annette

nur ein dreckies pferd ist ein glückliches pferd - demnach ist das hier SEHR glücklich ..
mach mal pause


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